Kroatien-Roadtrip

Mein unfreiwilliges Abenteuer vor Krk

Baska, Krk, Kroatien
Baska, die Perle der kroatischen Insel Krk
Foto: Getty Images

Er kennt sich nicht aus. Er war noch nie hier. Er spricht die Sprache nicht. TRAVELBOOK-Redakteur Torsten Johannknecht ist zum ersten Mal in Kroatien und macht einen Roadtrip durchs Land – fünf Tage, fünf Geschichten. Das Tagebuch einer verrückten Reise, die den Autor in Krk ein unfreiwilliges Abenteuer erleben lässt.

Es ist mein erstes Mal. Mein erstes Mal Kroatien. Ich war noch nie da, konnte mich bislang noch nicht selbst von der angeblichen Schönheit des Landes an der Adria-Küste überzeugen. Damit ist jetzt Schluss! Mein Chef hat mich hierher geschickt, meinte, ich solle für TRAVELBOOK über Kroatien berichten. Also habe ich mich auf einen Roadtrip begeben, in Split an der Küste geht es los, mein Rückflug ist Sonntag, sechs Tage später, von Zagreb. Und dazwischen? Kein Plan, ich reise einfach mal drauf los.

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Tag 4 – das unfreiwillige Abenteuer auf Krk

Zur Kirche müsse ich aber schon hoch. Wer in Baska ist, müsse einmal im Meer schwimmen und den Ausblick vom Friedhof genießen. Ausblick? Ja, denn die besagte Kirche liegt nicht etwa hier unten in der Altstadt von Baska, sondern da oben in den Bergen. Am Vorabend beim Grillen waren die anderen Gäste ganz aufgeregt, weil ich bislang weder im Wasser noch oben bei der Kirche war. Marietto, unser Herbergs-Vater und Grillmeister, drehte nur schmunzelnd die Cevapcici um und freute sich, dass sich seine ganzen Gäste so gut verstehen. So entstand mein erster Programmpunkt für den heutigen Tag: Frühsport hoch bis zur Kirche.

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Ein Paradies für Mountainbiker

Zwanzig Minuten dauert es, dann habe ich tatsächlich die Kirche des heiligen Ivan erreicht. Zu Fuß. Ich hätte auch mit dem Auto hochfahren können, hatte Marietto gesagt. Aber da mein Roadtrip gerade hier in Baska pausiert, bleibt der Wagen auch wirklich mal stehen. Durchschnaufen an der Kirche – der Aufstieg ist zum Teil schon ordentlich steil. Lohnt sich aber, denn der Blick runter auf Baska und die gesamte Bucht entschädigt für den Schweiß. Stellt sich mir jetzt nur die Frage: Gehe ich wieder runter und beende somit den Frühsport, oder kraxel ich den Berg weiter hoch bis zum Moon Mountain, wovon mir gestern Abend ebenfalls vorgeschwärmt wurde? Weil ich weiß, dass ich mich später immer fragen werde, wie diese mondähnliche Landschaft aussieht, bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig: Ich muss nach Moon Mountain. Eine Stunde soll ein Weg dauern. Na, dann mal los.

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Weil es erst neun Uhr morgens ist, bin ich fast allein auf dem Weg zum Mond. Allerdings: Mir kommen drei Jogger entgegen. Respekt. Außerdem überholen mich vier oder fünf Mountainbiker. Noch mehr Respekt. Denn der Weg ist so steinig, dass ich am besten Wanderschuhe hätte anziehen sollen, die ich aber sicherheitshalber mal in Deutschland gelassen habe. Mit meinen Turnschuhen geht es zwar auch, könnte aber angenehmer sein. Ey, geht gut bergauf, hin und wieder rutsche ich auf einem der vielen Steine aus – anscheinend perfekte Bedingungen für echte Biker. Die treten sich einen Wolf, so kleine Gänge fahren sie bergauf. Manche müssen sogar absteigen und schieben. Bergab ist die Tour nicht ungefährlich, geht es an manchen Stellen neben dem kleinen Pfad doch auch schon mal steil den Abhang runter.

Giftige Spinnen und Schlangen auf dem Mond

Nach etwa 75 Minuten Marsch endet der Wald dann plötzlich, eine kleine Pforte trennt mich noch von der Mondlandschaft. Auf dem Schild neben der Pforte steht, dass es hier die Schwarze Witwe gibt, eine giftige Spinne. Noch giftiger aber ist wohl die „Horny Viper“, vor der explizit gewarnt wird. Ist eine Schlange, vermute ich. Und ja, das steht da wirklich so auf dem Schild. Todesmutig schreite ich durch das Tor und finde eine felsige, leicht grüne, nicht enden wollende Landschaft vor mir. Das ist also Moon Mountain. Ich gehe noch ein paar Schritte weiter, mache Fotos und verschwinde fix wieder Richtung Baska. Will ich doch so früh am Morgen keine Horny Viper wecken…

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Wieder im Dorf angekommen statte ich der Touristen-Information einen Besuch ab. Auch hier sprechen alle richtig gutes Deutsch – verstörend, aber okay. Die freundliche Dame ist sehr hilfsbereit, bastelt mir ein Paket zusammen mit allen möglichen Infos und Wanderrouten über Baska und die Insel Krk. Ordentlich Lesestoff. Beim Studieren der Karte stelle ich fest, dass ich die Wanderung auf dem Moon Mountain nicht bis zum bitteren Ende durchgezogen habe. Ich hätte noch ein ganzes Stück weitergehen können, bis zu einem tollen Aussichtspunkt. Na ja, falls jemand fragt: Ich war auf Moon Mountain. Basta.

Am Nachmittag der Start in ein ungewolltes Abenteuer. Marietto nimmt mich mit auf seinem Boot nach Vela Luka. Das heißt übersetzt so viel wie „großer Hafen“, ist es aber nicht. Es ist eine mehr oder weniger einsame Bucht, die man entweder mit einem etwa Vier-Stunden-Marsch von Baska aus zu Fuß erreichen kann oder, wie Marietto und ich, mit dem Boot. „Wir müssen los, heute Abend kommt Wind auf, dann wird das Meer unruhig. Los, steig ein“, sagt er. Gegen 16 Uhr verlassen wir Baska. Ich mag Bootfahren. Eine neue Perspektive, Dinge sehen, die man vom Land aus nicht zu sehen bekommt. Knapp eine Stunde später rutscht das Bötchen auf den Strand von Vela Luka. Wir sind da.

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Auf das Paradies folgt die Hölle

Ein bisschen erinnert diese Bucht an Fjorde in Norwegen, auch hier ragen Berge an den Seiten gen Himmel. Wieder ein Steinstrand – aber was für einer! Natürlich ist hier deutlich weniger los als in Baska, das Wasser, wenn es denn möglich ist, noch sauberer. Ein kleines Restaurant steht hier, es gibt Liegestühle und Sonnenschirme. Und Schafe. Hier laufen und blöken Schafe am Strand umher.

 „Wir müssen hier raus, da hinten, auf dem Meer, ist es dann besser, aber hier drin kann der Wind scheiße sein.“ Marietto ist früher 25 Jahre lang zur See gefahren, war Ingenieur auf großen Schiffen, hat die Weltmeere bereist. Ich fühle mich sicher beim ihm an Bord, auch wenn es nur diese kleine Nussschale ist. Als wir die Bucht verlassen, zucken schon die ersten Blitz über der Insel. Zum Glück entfernen wir uns von dem Gewitter. Dachte ich…

Noch fahren wir von dem Gewitter weg – das ändert sich aber nach der nächsten Kurve
Foto: Torsten Johannknecht

Wir schaffen es noch rechtzeitig, die Bucht zu verlassen, bevor die Wellen uns und das Boot vor größere Probleme stellen. Als wir nach rechts abbiegen und Baska entgegenschippern, sehen wir aber auf einmal dem Unheil ins Auge. Schwarze Wolken hängen über dem Dorf, Blitze zucken, ein Vorhang aus Wasser ergießt sich über die Bucht. „Seit fast zwei Monaten hat es hier nicht mehr geregnet“, sagt Marietto. Er schüttelt den Kopf, hat den Griff des kleinen Motors fest in der Hand. Etwa eine halbe Stunde sind wir noch vom sicheren Hafen entfernt, da beginnt es. Erste Regentropfen kündigen das Unwetter auch für uns an. Wir fahren auf die Hölle zu.

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Abenteuer mit Happy End

Plötzlich prasseln dicke Hagelkörner auf uns herab. „Schnell, setz deine Mütze auf!“, schreit mich Marietto von hinten an. Ich kann ihn kaum verstehen, zum einen gibt der Motor alles, zum anderen tobt das Unwetter um uns herum. Die Mütze bringt nicht viel, die Eiskörner hacken auf uns ein. „Gib mir ein Handtuch!“, brüllt er von hinten. Ich zerre drei Handtücher aus den klitschnassen Rucksäcken, wir müssen uns vor dem Hagel schützen und legen sie uns auf die Köpfe. Ich verkrieche mich so gut es geht darunter, so auch Marietto, der das Steuer dabei fest umklammert. Allerdings wissen wir nicht genau, wohin wir fahren. Die Sicht ist keine zehn Meter weit, schutzlos sind wir dem Unwetter ausgeliefert. Nach sieben, acht endlosen Minuten lässt der Hagel nach, jetzt regnet es nur noch in Strömen. Ich blicke mich um zu Marietto, der uns heldenhaft Richtung Baska schippert. „Bist du okay?“, schreit er mir entgegen. „Ja, du auch?“ Daumen hoch. Das Schlimmste ist überstanden.

Im Hafen angekommen, das Boot sicher angelegt, verrät er mir, dass er so etwas hier in Baska noch nicht erlebt habe. „Ein Zentimeter groß waren die Hagelkörner, das war unglaublich. Meine Brille war nass, ich habe nichts mehr gesehen. Zum Glück hat der Motor gehalten“, lacht er. Wie zwei begossene Pudel stapfen wir an der Promenade entlang nach Hause. Was für ein Abenteuer!

Mein Plan für Morgen: Aus dem Boattrip wieder einen Roadtrip machen – ich werde von Baska nach Zagreb fahren, von dort geht mein Flieger zurück nach Deutschland.

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