Civita di Bagnoregio

Italienisches Geisterdorf wird wieder zum Leben erweckt

Cività di Bagnoregio
Cività di Bagnoregio liegt in der Region Latium nördlich von Rom. Es gehörte lange Zeit zu Italiens „sterbenden Städten“ – doch es gibt neue Hoffnung.
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In Hinterland Italiens gibt es ein Dorf, das zu den schönsten des Landes gehört: Civita di Bagnoregio. Nicht mal ein Dutzend Einwohner hat es, dafür kämpfen andere um die Wiederbelebung. Urlaub kann man dort machen, in einem einzigartigen Palast mit Schwimmbad in der Grotte.

Auch ein Opernfestival könnte man sich vor den ehrwürdigen Mauern gut vorstellen. Doch das einzige, was in Cività die Bagnoregio regelmäßig inszeniert wird, ist: das Sterben. Denn der Ort, der nur zu Fuß über eine 250 Meter lange Brücke erreichbar ist, gehört zu den città che muoiono, den „sterbenden Städten“ Italiens, aus denen schon lange sämtliches Leben gewichen ist; wegen der Abgeschiedenheit, des Verfalls, der Perspektivlosigkeit.

Die sterbende Stadt

In Civita die Bagnoregio begann das Sterben bereits im Jahr 1695, als ein Erdbeben den Ort erschütterte und nicht zuletzt den hier ansässigen Bischof in die sichere Ebene vertrieb, wo er schließlich seinen neuen Sitz bezog. Danach entwickelte sich der benachbarte Ortsteil, Bagnoregio, der sehr viel leichter zugänglich war und weniger Gefahren durch Erdrutsche barg. Aus sicherer Entfernung konnte man hier den Blick auf die Altstadt von Civita genießen.

Cività di Bagnoregio ist nur zu Fuß über eine Brücke erreichbar
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Rettungsinitiative für Cività di Bagnoregio

Schon drohte der Ort, gänzlich zu sterben – als eine Initiative zu dessen Rettung antrat. Das Dorf sollte auf die Liste der Unesco, so ihr Plan. Und zahlreiche Lokalpolitiker und viele Künstler – darunter etwa Dario Fo und Bernardo Bertolucci – unterzeichneten eine entsprechende Petition. Ob es das Dorf tatsächlich auf die Liste schafft, darf bezweifelt werden. Und selbst wenn, würde das reichlich Zeit brauchen.

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Doch diese nagt derweil an den porösen Mauern der Palazzi und Plätze. Um Mittel für den Erhalt zu sammeln, führte man 2013 eine Eintrittsgebühr für den Ort ein. Wer sich zwischen Brunnen und Bischofskirche bewegen will, muss seitdem vorher einen Obolus von 1,50 Euro entrichten. 43.000 Besucher taten das allein im August 2015, von Rom mittels Tourguides auf den Berg gebracht, und entdeckten die Magie eines einzigartigen Ortes. „Das Gefühl versteht, was der Verstand nicht begreift“, hatte der Philosoph Bonaventura, berühmtester Einwohner des Ortes, einmal gesagt. Und der Spaziergänger durch den Ort spürt schnell, was er damit wohl gemeint hat.

Cività di Bagnoregio

Die wenigen Einwohner haben begonnen, das Dorf hübsch herzurichten
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Leben kehrt langsam zurück

Und langsam kehrt das Leben zurück nach Civita die Bagnoregio. Eine US-Uni bietet Sommerkurse an, es finden regelmäßig Konzerte statt, und immer mehr Gebäude werden von auswärtigen Investoren instand gesetzt – als Zweitwohnsitz oder Feriendomizil.

Auch Patrizio, ein italienischer Architekt mit Wohnsitz in den Vereinigten Staaten, entdeckte die Substanz des Ortes und kaufte gemeinsam mit seinem Partner Mark einen Palazzo aus dem 14. Jahrhundert, um ihn zu restaurieren. „Für uns ist Civita einer der edelsten und schönsten Orte der Erde, und indem wir einen kleinen Teil davon restorierten, partizipieren wir von der Magie, die uns einst so anzog, als wir uns in diesen Ort verliebten,“ schreiben die Besitzer auf Airbnb, wo sie die Villa ab 382 Euro pro Nacht zum Mieten anbieten.

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Das Besondere: Unter der Villa liegt eine römische Zisterne, die nun als Swimmingpool fungiert. Doch nicht genug: Von der Terrasse mit Brunnen und Pavillon hat man einen traumhaften Blick in die Landschaft. Und auf Wunsch organisieren Mark und Patrizio private Kochkurse, Wein- und Käseverkostungen oder Touren in die Umgebung. Auch weitere Privatleute bieten einem Bericht der „Welt“ zufolge inzwischen Wohnungen und Häuser für Feriengäste an und verdienen sich so etwas dazu.

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