Es leben immer noch Menschen

Centralia – die brennende Geisterstadt in den USA

Centralia
Die alte Route 61, die durch Centralia im US-Bundesstaat Pennsylvania führt, ist an mehreren Stellen aufgerissen. Rauch dringt aus den Spalten im Asphalt – im Untergrund brennt Anthrazitkohle
Foto: Getty Images

Einst war Centralia im US-Staat Pennsylvania ein florierendes Bergbaustädtchen. Bis vor etwa 60 Jahren unter Tage ein Feuer ausbrach, das sich unter dem gesamten Stadtgebiet ausbreitete. Das Feuer brennt bis heute und hat fast alle Einwohner aus Centralia vertrieben. Nur acht sind geblieben.

Betrachtet man Centralia beim Kartendienst von Google Maps, wirkt der Ort zunächst wie eine ganz normale amerikanische Kleinstadt: ein rechtwinkliges Straßennetz mit typischen Namen wie Railroad Avenue, Park Street oder Centre Street, zwei Friedhöfe, eine Kirche, ein US Post Office.

Viele Straßen, aber kaum Häuser: So sieht Centralia in der Google-Maps-Satellitenansicht aus.
Foto: Google Maps

Seinen Anfang nahm das Drama im Jahr 1962. Damals lebten etwa 2000 Menschen in Centralia, viele arbeiteten in einer der umliegenden Kohleminen. Eines Tages, es war der 27. Mai, wollten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr eine illegale Müllhalde niederbrennen, die in einer ausgedienten Tagebaugrube aufgeschüttet worden war. Auf die noch glühende Asche schütteten die Männer anschließend Wasser – doch offenbar erlosch die Glut dabei nicht vollständig. Nach und nach fraß das Feuer sich durch die verlassenen Kohleflöze und entfachte die Schächte auf einem riesigen Areal unter dem Stadtgebiet.

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Tödliche Gefahr

Alle Versuche, den Brandherd zu stoppen, schlugen fehl. Durch die Hitze riss der Asphalt auf den Straßen auf, Krater bildeten sich im Erdboden und verschluckten einmal sogar fast einen zwölfjährigen Jungen. Weitaus gefährlicher als Erdspalten, aus denen Hitze und Rauch aufstiegen, war jedoch ein sich unsichtbar ausbreitendes Gift: Kohlenmonoxid. Einige Bewohner von Centralia sollen sich damals Wellensittiche als lebendes Frühwarnsystem angeschafft haben: Fiel der Vogel tot von der Käfigstange, war es an der Zeit zu fliehen.

Sieben Jahre nach Ausbruch des Kohlebrandes verließen die ersten Einwohner ihre Häuser und zogen weg aus Centralia. Das Feuer brannte gnadenlos weiter und breitete sich unter der Erde immer weiter aus. Ende der 1970er musste die örtliche Tankstelle schließen, weil Explosionsgefahr bestand. Nach und nach zerstörte das Feuer von unten die Route 61, die Hitze ließ den Asphalt aufplatzen. Zweimal wurde der betroffene Abschnitt des Highways repariert und im Jahr 1994 dann endgültig geschlossen. Stattdessen wurde eine Straße weiter südöstlich ausgebaut, die seitdem als Ersatzstrecke dient.

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Google Maps

Links verläuft der alte, gesperrte Highway 61. Rechts die neue Umgehungsstraße.
Foto: Google Maps

Heute ist der alte Teil der Route 61 eine beliebte Sehenswürdigkeit in Pennsylvania. Touristen kommen hierher, um die aufgerissene Straße, aus der an manchen Stellen Rauch tritt, zu fotografieren. Viele haben bunte Bilder und Schriftzüge auf dem Asphalt hinterlassen. Der Ort selbst wirkt gespenstisch; von vielen Häusern stehen nur noch die Treppen und Mauerreste.

Acht Einwohner sind geblieben

Anfang der 1980er-Jahre empfahl die US-Regierung, Centralia vollständig zu evakuieren. Ein erneuter Versuch, das Feuer zu löschen, hätte Hunderte Millionen Dollar gekostet. Stattdessen stellte der Staat 42 Millionen Dollar für eine Umsiedlung der Bewohner bereit. Die meisten akzeptierten – doch einige Alteingesessene weigerten sich, zu gehen. Es folgte ein erbitterter Rechtsstreit, der mehr als 20 Jahre andauerte. Erst Anfang 2013 kam es zu einer Einigung, die es den bis dahin verbliebenen acht Einwohnern laut einem Bericht von „Associated Press“ erlaubte, bis zu ihrem Lebensende in Centralia zu bleiben. Zudem wurde ihnen eine Entschädigung von je 349.500 Dollar (260.000 Euro) zugesprochen.

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Der Kohlebrand schwelt nun schon seit Jahrzehnten unter dem kleinen Ort in Pennsylvania und hat ihn, bis auf die wenigen Zurückgebliebenen, zu einer Geisterstadt werden lassen. Experten schätzen, dass die Anthrazitkohle unter Centralia ausreicht, um das Feuer noch bis zu 300 Jahre weiter zu nähren, bevor es irgendwann von alleine verlischt.

Im folgenden Video sehen Sie Aufnahmen, die ein Besucher in Centralia gemacht hat:

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