Blühende Lüneburger Heide

Das Naturwunder, das aus einer Umweltkatastrophe entstanden ist

Wie eine Mischung aus Toskana und Provence präsentiert sich die Lüneburger Heide in Niedersachsen in den kommenden Wochen
Wie eine Mischung aus Toskana und Provence präsentiert sich die Lüneburger Heide in Niedersachsen in den kommenden Wochen
Foto: Getty Images
Das typische Gewächs der Region ist die Sandheide, die immer im August leuchtend violett zu blühen beginnt. Sie gedeiht gut auf dem nährstoffarmen Boden
Das typische Gewächs der Region ist die Sandheide, die immer im August leuchtend violett zu blühen beginnt. Sie gedeiht gut auf dem nährstoffarmen Boden
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Wunderschön anzusehen: Ein altes Reetdachhaus, umgeben von blühender Heide
Wunderschön anzusehen: Ein altes Reetdachhaus, umgeben von blühender Heide
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Ein beliebtes Ausflugsziel ist der Wildpark Lüneburger Heide in Hanstedt, in dem mehr als 1200 Tiere auf 60 Hektar ursprünglicher Nordheide-Landschaft leben. Der Park ist ganzjährig geöffnet, Erwachsene zahlen 10 Euro, Kinder 8 Euro Eintritt.
Ein beliebtes Ausflugsziel ist der Wildpark Lüneburger Heide in Hanstedt, in dem mehr als 1200 Tiere auf 60 Hektar ursprünglicher Nordheide-Landschaft leben. Der Park ist ganzjährig geöffnet, Erwachsene zahlen 10 Euro, Kinder 8 Euro Eintritt.
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Der Heidegarten bei Schneverdingen kann man 130 verschiedene Heidesorten bewundern, die ganzjährig blühen.[Link auf http://www.lueneburger-heide-attraktionen.de/heidegarten-hoepen-schneverdingen.html]
Der Heidegarten bei Schneverdingen kann man 130 verschiedene Heidesorten bewundern, die ganzjährig blühen.[Link auf http://www.lueneburger-heide-attraktionen.de/heidegarten-hoepen-schneverdingen.html]
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Insgesamt etwa 120.000 Pflanzen wachsen in dem Landschaftsschutzgebiet. Der Garten ist jederzeit öffentlich zugänglich, es gibt auch geführte Wanderungen und Kutschfahrten.
Insgesamt etwa 120.000 Pflanzen wachsen in dem Landschaftsschutzgebiet. Der Garten ist jederzeit öffentlich zugänglich, es gibt auch geführte Wanderungen und Kutschfahrten.
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Nicht aus der Lüneburger Heide wegzudenken sind die Heidschnucken. Die Tiere sind leicht zu halten und sehr genügsam; ihr Fleisch gilt in ganz Europa als Delikatesse.
Nicht aus der Lüneburger Heide wegzudenken sind die Heidschnucken. Die Tiere sind leicht zu halten und sehr genügsam; ihr Fleisch gilt in ganz Europa als Delikatesse.
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Jedes Jahr kommen etwa 1,5 Millionen Besucher, um das einzigartige Farbenschauspiel zu bewundern
Jedes Jahr kommen etwa 1,5 Millionen Besucher, um das einzigartige Farbenschauspiel zu bewundern
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Sehr beliebt sind Kutschfahrten durch die Heide. Auch die Polizei ist hier zu Pferde unterwegs
Sehr beliebt sind Kutschfahrten durch die Heide. Auch die Polizei ist hier zu Pferde unterwegs
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Rund 1,5 Millionen Besucher kommen jedes Jahr, wenn die Heide blüht. Imker stellen ihre Bienenvölker auf, Polizeireiter und Kutschen sind unterwegs. Doch was nicht jeder weiß: Das Idyll verdankt seine Entstehung einer ökologischen Katastrophe.

Die Heideblüte ist zu riechen. „Ein schweres würziges Aroma liegt in der Luft“, beschreibt es Rüdiger Quast. „Die Heide riecht schon jetzt nach Heidehonig“, meint der Mitarbeiter der Forstverwaltung Rheinmetall in Unterlüß in Niedersachsen, während er schnuppert. Quast und seine Kollegen sind für die aufwendige Pflege der Heide zuständig.

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Die Kulturlandschaft prägt die Region seit Jahrhunderten, doch sie entstand quasi durch eine Umweltkatastrophe: Durch die unkontrollierte Abholzung der Flächen, auch weil das Holz für die Lüneburger Salinen als Brennmaterial gebraucht wurde. Das genügsame Heidekraut war das einzige, dass auf dem ausgelaugten nährstoffarmen Boden gedeihen konnte. „Die Lüneburger Heide verdankt ihre Entstehung in weiten Gebieten der Holznutzung durch den Menschen“, erzählt Julia Hallmann von der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide. Heute gilt es, die Flächen als historische Kulturlandschaft zu erhalten.

Sandheide

Das typische Gewächs ist die Sandheide, die jetzt in voller Blüte steht.
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In diesem Jahr hat das warme und feuchte Wetter das Wachstum der Heide begünstigt. Nun blüht sie violett leuchtend. Früher als normal hat die Heideblüte aber nicht begonnen, sagt Forstverwaltungsmann Quast. Vielmehr sei es in den vorangegangenen Jahren erst verzögert los gegangen. Die Faustregel für die Heideblüte lautet: 8.8. bis 9.9..

Das Naturschauspiel ist bei Touristen beliebt, jedes Jahr kommen etwa 1,5 Millionen Besucher. Dann sind auch Polizeireiter im Einsatz. „Wir sollen vor allem darauf achten, dass die Touristen sich an die Regeln des Naturschutzes halten und nach dem Besuch heil zurückfinden“, sagt Kommissarin Imke Zeitzem. Die 32-Jährige freut sich auf die kommenden Wochen, wenn sie mit Kollegin Janina Hiestermann auf „Goya“ und „Jatho“ unterwegs ist.

Das Mähen übernehmen die Schafe

Das Mähen der Heide erledigen zum großen Teil Heidschnuckenherden. Auch das Abbrennen der Flächen wird seit Jahrhunderten praktiziert. Um den Flächen ihre charakteristische mosaikartige Struktur zu geben, die ausreichend Lebensräume für die Artenvielfalt schafft, wird immer nur ein Teil abgeflämmt. Feuerwehrleute schützen dann die Wacholderbäume, die typisch sind etwa für die Ellerndorfer Heide bei Uelzen.

Heidschnucken-Schaf.

Typischer Bewohner der Heide: Das Heidschnucken-Schaf.
Foto: dpa picture alliance

Auch mehr als 30 Imker mit rund 800 Völkern wandern in den nächsten Wochen durch die Umgebung der Ellerndorfer Heide. Die etwa 75 Hektar große Fläche gehört zur Forstverwaltung Rheinmetall, die den Imkern einen Passierschein für den ihren Bereich ausstellt. „Nach dem Einwanderungstermin geht es los“, erzählt Imker Hermann Hilmer aus Dreilingen. Die Bienen holen sich den Nektar und Pollen aus der Heide. Die Besucher der Heide merken davon nichts. Um die Bienen bei ihrer Arbeit nicht zu stören, bringt der Imker seine grünen Kisten hinter den unauffälligen Bienenzäunen ganz früh am Morgen aus. „Manchmal schwirrt es ein wenig mehr, wenn die Bienen in der Heide sind“, sagt er.

Biene an Blume

Bienen lieben den Nektar der Blüten
Foto: dpa picture alliance

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